Das Cuperto

Das Cuperto

von David L. Jones

Der Begriff »Cuperto« beschreibt in der alten italienischen Schule »Singen durch eine kleine Mundöffnung mit großer Kehlöffnung«. Was ist das Resultat? Eine Mischung der Register und die Ausbildung der Randkanten der Stimmbänder von der hohen bis zur tiefen Lage. Als Dr. Van Lawrence (Laryngologe an der Houston Grand Opera) das erste mal die Cuperto-Funktion durch ein fiberoptisches Laryngoskop sah, meinte er es sähe aus, als ob die Stimmbänder eine »Massage« bekämen. Während ihrer Graduierten-Forschung an der Universität von Nord Texas, entdeckte Dr. Barbara Mathis von der Lamar Universität, dass das Singen der Cuperto-Übung die Randkante der Stimmbänder stärkt.

Das Cuperto ermöglicht das Singen in einer Schutzfunktion (ohne direkten Druck auf den Stimmbändern). So erlangt der Sänger stimmliche Ausdauer. Außerdem bringt es alle Vokale in die gleiche Kehlöffnung. Lindquest nannte das »Vokalausgleich«. Wenn ich das »Cuperto« beschreiben sollte, würde ich es als »das Erreichen des Kopfstimmregisters mit großer stimmlicher Freiheit« bezeichnen. Viele Profis nennen es auch das »Pfeifregister«.

Ich persönlich mag den Begriff »Cuperto«, weil damit keine Vorstellung von der Klangqualität oder der Art und Weise der Klangerzeugung verbunden ist. Es muss in seiner ursprünglichen Bedeutung mit großer Kehlöffnung verstanden werden.

Was ist das Ergebnis der Cuperto-Funktion?

Meisterkurs in New York

David Jones gibt eine Reihe von Meisterkursen im berühmten New Yorker CAMI Saal
Sie löst Probleme wie zum Beispiel weite Vibratos, unausgeglichene Kopf- und Brustregister (besonders in der Mittellage der Frauen) und verlängert den Vokaltrakt, was mehr Resonanz zur Folge hat. »Cuperto« ist ein altitalienisches Wort, das in der Sprache nicht mehr in Gebrauch ist. Das ist das Geheimnis, das dem Sänger einen professionellen Klang ohne Überspannung im Kehlkopf ermöglicht.

Wir mögen uns fragen, warum um die Jahrhundertwende (19.Jhd./ 20.Jhd.) viele große italienische Sänger, so konstant gut gesungen haben. Die meisten Stimmforscher sind der Ansicht, dass das mit der Nutzung dieser Stimmfunktion zu tun hat. Sogar in der Einoktav-Version (veröffentlicht in William Vennards Buch 1967) ist die Cuperto-Übung sehr effektiv. Alan Lindquest erweiterte sie zu zwei Oktaven und benutzte sie, zum Trennen der Register, um sie danach wieder von oben nach unten zu mischen. Sein Gesangslehrer war damals der berühmte John Wilcox. Als Wilcox gehört hatte, wie organisch die Zwei-Oktav-Version funktionierte, übernahm er die Übung in seinen eigenen Unterricht. Bei den Männerstimmen stärkt das Üben des Cuperto die Stimmbänder und macht die Öffnung in der Glottis schrittweise kleiner. Das macht den Wechsel in die hohe Stimmlage leichter. Bei den Frauenstimmen entspannt es die hohe Lage durch die Ausbildung der Randkante. Das vereinfacht das Singen der hohen Pianissimo-Töne. Montserrat Caballé wurde auf diese Weise geschult. Dadurch wurde es ihr möglich, das hohe Pianissimo zu singen, das sie zu ihrem Markenzeichen gemacht hat.

Die Cuperto-Übung ist für viele Aspekte des guten und gesunden Singens verantwortlich. Ich bin Alan Lindquest dankbar dafür, dass er dieses wunderbare Mittel für die Ausbildung einer neuen Sängergeneration wiederbelebt hat.

William Vennard (der Lehrer von M. Horne) übernahm die Übung nach seinem Studium bei Lindquest 1955. Lindquest und Vennard arbeiteten während der 50er Jahre gemeinsam an der Entwicklung von Unterrichtstechniken.
Fragen richten Sie bitte an Christian Halseband, email hidden; JavaScript is required (auf deutsch oder englisch) oder an David L. Jones, email hidden; JavaScript is required (auf englisch).

Alle Rechte am Text vorbehalten David L. Jones © 2000 http://www.voiceteacher.com/

Autorisierte Ubersetzung von Christian Halseband © 2003 https://www.gesanglehrer.de/